![]() | 15. Januar 2011 Geschichte: Die Lust der Frauen Hier eine Geschichte, die ich mir mal eine (frauenbewegte) Freundin erzählt hat. Vermutlich ist sie nicht 100%ig wahr. Mir hat sie aber trotzdem gefallen und ich finde, sie passt hier ins Forum. Ich habe sie dann später noch einmal in abgewandelter Form bei der Autorin Nancy Friday gefunden. Meine Freundin erzählte mir, dass vor langer Zeit alle Frauen und Männer eine sehr freie und erfüllte Sexualität gelebt haben. Die Männer waren mit den Frauen zusammen und umgekehrt - so ganz nach Lust und Laune. Die Kinder wuchsen in der Gemeinschaft auf, ohne dass es wichtig war, wer der Vater oder die Mutter war. Irgendwann kamen dann ein paar Männer aus Machtinteresse auf die Idee, dass doch bestimmte Frauen ihnen gehören müssten, damit möglichst viele ihrer eigenen Kinder geboren werden sollten. Das setzten sie dann mit Gewalt durch. So entstand die Polygamie: Ein Mann, viele Frauen. Das Problem war dann bloß, dass diese Männer die Frauen alleine nicht mehr befriedigt bekommen haben. Also sagten sie den Frauen es wäre falsch so viel Lust zu haben, und dass sie sich dafür schuldig fühlen sollten. Aus Angst vor der Gewalt der Männer nahmen die Frauen die Idee auf und gaben sie an ihre Töchter weiter, weil sie wiederum Angst hatten, dass sie und ihre Töchter nicht mehr unter dem "Schutz" der Männer stehen würden. Die körperliche Beschneidung von Frauen in afrikanischen Ländern, dient dem gleichen Zweck - nur eben auf der körperlichen Ebene. Dies ist allerdings tatsächlich so, wie ich in einem Interview gehört habe. Seit dem sind viele Frauen auf einander neidisch, wenn sie merken, dass sich eine von ihnen mehr (sexuellen) Spaß - womöglich mit verschiedenen Männern gönnt - und stoßen sie ggf. aus ihrer Gemeinschaft aus. Während viele Männer noch ihrem Machtspiel nachhängen. Tja, und die Frage ist jetzt, wie geht es weiter? |
![]() | 15. Januar 2011 Nette Feministinnen-Geschichte - nur (zum Glück? leider?) so nicht zutreffend. Das Patriarchat war wohl eher das Ergebnis von beiden Geschlechtern akzeptierter Lebensnotwendigkeiten, das mal wieder wie so vieles - typisch Mensch - abstrahiert, 'kultiviert', sprich: pervertiert wurde. Viele namhafte (darunter auch weibliche) Anthropologen gehen übrigens auch von bisweilen frühkulturell existierenden Matriarchaten aus, welche durchaus vergleichbare Ohnmachtsgefälle aufwiesen und begründen darin die kulturelle Angst des Mannes vor der Frau. Eine Angst welche die Männer widerum veranlasste, die sie unterdrückenden und ausbeutenden Frauen durch Machtausübung (Umsturz?) in den Griff zu bekommen. Vielleicht liegt ja die Wahrheit in der Mitte oder aber ist ein Ergebnis dieser beiden Extreme? Wer weiss das schon mit Bestimmtheit. Aber ich denke, es wäre durchaus nützlich für die Zukunft, bei allen Überlegungen und Weiterentwicklungen beide Theorien gleichwertig im Auge zu behalten. Und daraus abzuleiten: Keines der beiden Geschlechter ist böser als das andere, aber auch keines besser: Sie geben bzw. schenken sich diesbezüglich nichts. |
![]() | 15. Januar 2011 ich denke, es wäre durchaus nützlich für die Zukunft, bei allen Überlegungen und Weiterentwicklungen beide Theorien gleichwertig im Auge zu behalten. Und daraus abzuleiten: Keines der beiden Geschlechter ist böser als das andere, aber auch keines besser: Sie geben bzw. schenken sich diesbezüglich nichts. Sehe ich letztendlich auch so. Die Frage ist ja, wie wollen wir die Zukunft gestalten? |
![]() | 15. Januar 2011 Da das Abschaffen von Macht(-streben) an sich höchst utopisch, sprich hochgradig illussorisch ist, bleibt wohl nur eines: sich gegenseitig ein Gleichgewicht der den jeweiligen Geschlechtern inneliegenden Mächte über das jeweils andere einzuräumen - und damit meine ich mitnichten einen Waffenstillstand |
![]() | 15. Januar 2011 Der Kern der Geschichte ist schon richtig, aber es waren nicht irgendwelche Männer, die aus Lust an der Macht das Matriarchat abgeschafft haben, sondern es waren einige Faktoren daran beteiligt (wie es ja auch "Promisc" schon völlig richtig erwähnt), u. a. auch Frauen. Die wirklichen Hintergründe, soweit sie heute noch nachvollziehbar sind, kann man wunderbar nachlesen bei Sabine Lichtenfels (z. B. in "Traumsteine") oder in den zwei historischen Romanen von Regine Leisner: "Die Rabenfrau" und "Unter dem Rabenmond" - sehr beeindruckend, spannend und großartig recherchiert. Aber es wäre schön, wenn wir das wieder ändern könnten. Allein - die meisten Frauen haben heute ja schon Angst vor ihrer eigenen Lust. Auch hier nachzulesen, z. B.: Bücherecke: Wie war ich? - Der Mythos vom perfekten Sex (Der Antaghar) |
![]() | 15. Januar 2011 Sexuelle Emanzipation - wie geht’s weiter? Global denken, lokal handeln Ich versuche, einer Frau, der ich begegne, Mut zu ihrer Lust zu machen und beziehe sie in ihre Verantwortung für eine erfüllende Begegnung ein: ich bitte sie, Wünsche zu äußern, zu zeigen, was ihr gut tut, lade sie ein, sich selbst zu streicheln, wenn sie es nicht von selbst tut und wenn die Position für mich ungünstig ist, bestärke sie darin,auch mit anderen Menschen die Facetten ihrer Sexualität zu entdecken, mehr für sich zu wollen, fordernd zu sein. Wo ich gehe und stehe, gebe ich kund, dass ich mich freue, wenn eine Frau ähnlich initiativ ist, wie das sonst von Männern erwartet wird - z.B. mit aktiver Kommunikation: - beim Flirt auch verbal, nicht nur mit tendenziell missverständlichen körpersprachlichen Signalen, - beim Verführen, wenn „er“ die traditionellen Signale nicht zutreffend interpretiert, - zum Thema ihrer, seiner und der gemeinsamen Sexualität, - vor, während und nach einer sexuellen Situation selbst, um sich besser kennen zu lernen und eine gemeinsame Sexualität zu entwickeln. Zur sexuellen Gleichberechtigung gehört für mich z.B. auch, dass meine Partnerin einfach „nur“ mit mir schmusen kann, obwohl ich eigentlich Lust auf Sex habe, dass sie eine sexuelle Situation jederzeit unterbrechen kann, wenn sie sich nicht wohl fühlt damit, ohne dass ich dann gefrustet bin und/oder das an ganz anderer Stelle rauslasse. Das Gleiche gilt selbstverständlich auch umgekehrt. Sexuelle Emanzipation in einer zärtlichen Gesellschaft, so wie ich sie mir vorstelle, bedeutet, dass nicht nur die Lust, sondern auch die Verantwortung dafür im Handeln gemeinsam getragen wird. Tom |
![]() | 15. Januar 2011 kommentar kein weiterstricken dea duskurses, sondern ein simpler kommentar... "der weg zur erleuchtung, liegt in der mitte aller extreme" die erkenntnis buddha's, zitiert aus den ersten Passagen des Filmes "Little Buddha" wenn die menschen also erkannt haben, das das patriachat auf dauer nicht funktionell ist, genauso wie die menschen vielleicht vor jahrtausenden erkannt haben das das matriachat nicht funktionell ist. ist es vielleicht, jetzt endlich wieder ( unter annahme das das leben als gesamtes zyklen folgt ) an der zeit, gemeinsam einen weg in der mitte aller extreme einzuschlagen? |
![]() | 15. Januar 2011 danke für diese tolle Geschichte, ich habe so etwas ähnl. auch schon gelesen. Ich fände es am besten wenn wir zu dem Ursprung der Geschihcte wider zurück kehren könnten und die verkorksten Ideen dieser Damaligen Männerideen von unserer Gesellschaft abschütteln könnten!!Für mich würde das bedeuten sich auf die eigentl. Basisi einer jeglichen echten Beziehung zurück zu besinnen- der Liebe! |
![]() | 16. Januar 2011 Das Problem war dann bloß, dass diese Männer die Frauen alleine nicht mehr befriedigt bekommen haben. Also sagten sie den Frauen es wäre falsch so viel Lust zu haben, und dass sie sich dafür schuldig fühlen sollten. Wenn man hier im Joyclub von Swingerfrauen liest, dass 1 Mann beim Sex nicht genug ist und es möglichst 3 oder 4 sein müssen, dann könnte da schon was wahres drann sein.Übrigens bin ich durchaus der Meinung, dass wir auf dem Weg zurück in's Matriarchat sind. |
![]() | 16. Januar 2011 Übrigens bin ich durchaus der Meinung, dass wir auf dem Weg zurück in's Matriarchat sind. Wie sagt man so schön? Dein Wort in Gottes Ohr - oder so. Möge es doch bitte genau so eintreffen! (Der Antaghar) |
![]() | 16. Januar 2011 Ganz ehrlich, ich sehe das nicht so positiv wie du, weil die Macht in der Gesellschft dann wieder aus der Balance ist. Frauen sind nicht besser, nur anders. |
![]() | 16. Januar 2011 @ Aramsdamdams Da stimmt ich Dir voll und ganz zu. Ich meine natürlich auch ein Matriarchat, das mit "weicher" weiblicher Macht umzugehen weiß - was bedeutet: nicht Macht über Männer. Das wäre ja, wie es viele Feministinnen so gerne hätten, nur eine Umkehrung der Verhältnisse (wie ja in der "Szene" oft genug zu beobachten ist) und der gleiche Blödsinn wie das Patricharchat. Hätte ich wohl ein wenig genauer erläutern müssen, denn diese Umkehrung meine ich natürlich nicht. Ich ergreife jetzt schon häufig die Flucht, wenn Frauen irgendwo das Sagen haben ... (Der Antaghar) |
![]() | 16. Januar 2011 Spekulationen Richard David Precht beschreibt in seinem Buch "Liebe - ein unordentliches Gefühl", wie spekulativ und fragwürdig Aussagen über das Liebesleben unserer Vorfahren sind, ob das nun Legenden wie diese Geschichte sind oder soganannten "Wissenschaften" wie die evolutionäre Psychologie. Zudem ist wohl die Geschichte der Geschlechterbeziehung in jedem Kulturkreis sehr unterschiedlich. Es ist schon schwierig genug, die aktuelle Situation mit ihren gesellschaftlichen Hintergründen klar zu erkennen. Ein Faktor, der in der heutigen Zeit vermutlich ausgeprägter als jemals zuvor in der Geschichte ist, ist die Tatsache, dass viele Frauen von Männern nicht mehr materiell abhängig sind. Dies wirkt sich eklatant auf die Machtsituation zwischen Mann und Frau aus und ist für mich einer der Aspekte, warum ich vermute, dass Polyamorie in unserem heutigen Sinne etwas ist, was in dieser Form vermutlich noch nie dagewesen ist. Ernst |
![]() | 16. Januar 2011 Wie geht es weiter und wo ist die Mitte? Der Umgang mit der Lust der Frauen in der Zukunft nach den Erfahrungen mit Patriarchat und Matriarchat - so habe ich das Thema verstanden und meinen persönlichen Beitrag zu dieser Zukunft beschrieben. Nach dem weiteren Verlauf der Diskussion frage ich mich und den TE: Habe ich das Thema falsch verstanden? War ich zu konkret in meiner Antwort, so dass der Zusammenhang zur Frage nicht erkennbar war? An dem Thema liegt mir etwas, und ich versuche es gerne, noch einmal auf einer allgemeinen Ebene, mit Euch ins Gespräch zu kommen. Vielleicht liegt ja die Wahrheit in der Mitte oder aber ist ein Ergebnis dieser beiden Extreme? Könnte die Zukunft in einer Synthese liegen, die ich an dieser Stelle einmal sexuelle Emanzipation beider Geschlechter i.S. von Gleichberechtigung nenne? Mögliche Entwicklungen könnten sein: Frauen entdecken auch ihre aktive/bestimmende Seite, Männer ihre passive/hingebungsvolle Seite. Wie wäre es, wenn Frauen lernen, sich in der Begegnung nicht einem bestimmten Gegenüber hinzugeben, sondern ihrer eigenen Lust und Männer lernen, sich - auch in einer aktiven Rolle - der Lust der Frau hinzugeben? In der bisherigen Diskussion finde ich wenig zum Thema "Zukünftiger Umgang mit der Lust der Frau". Am wenigsten von den Frauen selbst. Und die Männer reden lieber auf der Ebene von Gesellschaftsmodellen. Spiegelt das den akutellen Umgang der Geschlechter mit der Lust der Frau? Sie ist überwiegend passiv in bezug auf ihre Lust, wählt nur den Partner, lässt diesen machen, ist anschließend zufrieden oder nicht und beklagt sich ggf. bei ihren Freundinnen. Und wenn es um Machtspiele im sexuellen Geschlechterk(r)ampf geht, schenken die Frauen den Männern wirklich nichts: da wird "der 'Alte" schon mal lustlos drübergelassen, weil sie sich einen schicken Fummel leisten will oder sonst ein profanes Ziel verfolgt. Mann ist zufrieden, wenn er mal ran darf, bemüht sich mittlerweise höflich, dass sie einen Orgasmus hat (was wiederum Leistungsdruck auf beiden Seiten erzeugen kann), ist aber im wesentlichen zufrieden, wenn er endlich abspritzen kann. Von beiden Seiten wird (zu)wenig offen und aufrichtig kommuniziert, und wenn, (oft sind es die Frauen, die den Mut haben, das Thema anzusprechen), dann blockt die Gegenseite. Dieses Bild ist natürlich überspitzt, skizziert aber die sexuelle Realität in sehr vielen bundesdeutschen Partnerschaften. Meine Informationen habe ich nicht nur aus Zeitungsartikeln, sondern auch von einer Frau, die beruflich viele intime Gespräche mit Frauen geführt hat. Ohne die Meinung der Weiblichkeit zum Umgang mit ihrer Lust in der Zukunft kommen wir nicht weiter, darum versuche ich, die Frage des TE interpretierend, einmal anders zu stellen (@heisseGedanken: ist das ok so?) An die Frauen: Wie möchtet Ihr in Zukunft mit Eurer Lust umgehen? Was wünscht Ihr Euch von den Männern im Umgang mit Eurer Lust? Wie möchtet Ihr mit der Lust Eures (Sexual)Partners umgehen können? Zukunft ist in diesem Punkt nur miteinander gestaltbar. Also gehen diese Fragen analog die Herren. Mein Wunsch: es möge erlaubt sein, evtl. Antworten zu hinterfragen. Tom |
![]() | 16. Januar 2011 Ich schreibe jetzt ... ... mal nur soviel: Tom, mir hat schon dein erster Beitrag sehr gut gefallen (leider darf ich hier keinen Danke-Knopf drücken) und in deinem zweiten Beitrag stellst du genau die richtigen Fragen bzw. genau die Fragen, die mich auch umtreiben und interessieren. Liebe Grüße an dich Tom von Chang |