Polyamor oder Polybedürftig

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Themenersteller
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13. Feb

Polyamor oder Polybedürftig
Der Titel ist vielleicht etwas provokant, aber diese Frage beschäftigt mich.
Es ist jetzt zwei Jahre her, ich verliebte mich als verheirateter Mann in eine andere Frau. Ich bemerkte zu meiner Überraschung: Ich liebe sie beide, bin ich polyamor? Aber die Möglichkeit polyamor zu leben ergab sich leider nicht, denn beide waren dazu nicht bereit. Ich musste mich also entscheiden, welche Liebe ich leben wollte, und dank meiner starken Erdung blieb ich bei meiner Frau.
Es folgte ein tiefer Absturz, Depression, Schlaflosigkeit, Suizidgedanken. Doch die Beziehung zu meiner Frau wurde immer enger und intensiver. Auch für sie war die ganze Situation nicht leicht, wir gingen zusammen durch heftige Turbulenzen.
Seit nun etwa einem Jahr weiß ich, daß ich mich nicht zufällig verliebte, daß mich eine tiefe Unzufriedenheit, eine Getriebenheit diese Liebe hat suchen lassen.
Ich war auf der Suche nach Liebe, Nähe, Geborgenheit, Vertrauen, Anerkennung, Zuwendung….
Ausgelöst durch das Trauma meines ersten Lebenstags und getriggert durch die Kälte meiner Mutter und die latente Anwesenheit von Gewalt in meiner Kindheit hatte ich mir einen Panzer zugelegt und meine Bedürfnisse und Sehnsüchte tief vergraben.
Ein Teil dieser Bedürftigkeit konnte ich inzwischen transformieren, aber ein anderer, großer Teil ist noch immer am Suchen.
Heute kann ich ganz gut unterscheiden zwischen Liebe und dem Drang meine Bedürftigkeit gestillt zu bekommen.
Löst sich also der Drang Polyamorie leben zu wollen auf, wenn wir nicht mehr Getriebene unserer Bedürftigkeiten und Sehnsüchte sind?
Wie seht ihr das? Ich bin gespannt
Danke20x
 
 
13. Feb

Uns...
hat einst der Wunsch nach einem POLYGAMEN Leben zusammen gebracht.

Da wir uns dies von der ersten Minute an zugestanden hatten ergab sich irgendwann die Frage, ob dabei auch Gefühle eine tiefere Rolle spielen dürfen. Zumal wir eine sehr intensive DS-Beziehung leben und lieben. Aber vielleicht auch gerade deshalb...

Wir sind wir! Und an unserer Liebe... unserer Zusammengehörigkeit besteht kein Zweifel!
Dennoch lassen sich Gefühle darüber hinaus unserer Ansicht nach nicht unterdrücken... geschweige denn verbieten. Warum auch?

Und mit dieser Vielfalt... überspannt von diesem unzertrennlichen Band zwischen uns... leben wir ein wunderschönes, reiches Liebesleben. POLYAMOR!
 
 
13. Feb

Frei nach dem Motto: Problem erkannt Problem gebannt?

Wenn das so einfach wäre...

Ich bin überzeugt davon, dass wir immer den Menschen begegnen, die wir gerade brauchen... auch wenn wir das oft nicht bewusst wahrnehmen... Wir brauchen diese um uns weiterentwickeln zu können...
...und das ist völlig unabhängig von unseren Fähigkeiten zu leben und zu lieben ... ob monogam, poly oder in etwas völlig anderen Beziehungsmodellen...

Was wir aus diesen Begegnungen machen, das steht dann nochmal auf einem ganz anderen Blatt...

Bedürftigkeit kann eine Antriebsfeder sein, aber ich denke das ist der falsche Weg. Wir können den anderen die Last nicht aufbürden uns komplett zu machen... Für unsere Ausgeglichenheit sind wir schon selbst verantwortlich...
Danke17x
 
 
13. Feb

Ist Liebe...
Ist Liebe nicht immer ein Bedürfnis? Eine Bedürftigkeit?

Egal zu wem, wievielen und in welcher Konstellation diese dann empfunden und gelebt wird?
 
 
13. Feb

Sicher besteht da bei einigen ein Zusammenhang. Allerdings habe ich den Eindruck, dass das bei den allermeisten generell den Wunsch nach Beziehung antreibt - und meiner Meinung nach auch diese heftige Verliebtheit auslöst. Und weil der Partner dieses Bedürfnis nicht erfüllen kann, machen wir ihn für unser Unglück verantwortlich. (Und daraus kann dann sicher auch der Gedanke entstehen, dass mehrere Partner die Lösung für das Problem sein könnten.) Aber als erwachsener Mensch können wir die Nähe und Geborgenheit nur in uns selbst finden. Ein Partner, der und so sein lassen kann, wie wir sind, ist da eine große Hilfe.
Ansonsten sehe ich kein Problem darin, verschiedene Partner zu haben, um verschiedene Bedürfnisse erfüllen zu können bzw. unterschiedliche Seiten auszuleben.
 
 
13. Feb

AnimaMia:
Ist Liebe...
Ist Liebe nicht immer ein Bedürfnis? Eine Bedürftigkeit?
Ein Bedürfnis ja. Aber Bedürfnis und Bedürftigkeit sind ja ganz fundamental unterschiedliche Dinge.
 
 
13. Feb

schwierige Frage
Ich glaube, das Kompensationsverhalten sich auf vielen Ebenen wiederspiegeln kann, besonders in der Sexualität und Beziehungsebene.

Wer sich reflektiert, so wie du es getan hast, findet vermutlich früher oder später Anteile in seinem Verhalten auf diesen Ebenen.

Für mich war Sexualität Mittel zur Kompensation. Nach einer sehr langen Phase der Entkopplung von Gefühl und Verhaltensmuster (3 Jahre sexueller Abstinenz) konnte ich erst das polyamore in mir erkennen. Was ich wirklich will und brauche kristallisierte sich langsam heraus. Mir persönlich geht es um den Aspekt der Liebesbeziehung zu mehreren, nicht mit ihnen Sex haben zu können. Verlieben und Lieben sind Prozesse, die ich heute noch viel differenzierter von reinem sexuellen Verlangen betrachte - früher war das undifferenziert ein- und dasselbe. Seit ich in meinem Polykonstrukt lebe ist mein Leben sehr viel ruhiger und erfüllter, als zu meinen "promuiskuitiven" Zeiten. Es gab bei mir keinen Drang Polyamorie zu leben, sondern die Feststellung, dass ich so fühle und mein Leben so gestalten will. Ich war in keiner Beziehung, als ich mich vor etwa 2 Jahren dazu entschieden habe.

Ich kenne allerdings auch meine Grenzen, was ich in der Liebe leisten kann. Liebe ist grenzenlos - meine Ressourcen nicht. Ich lasse mich nicht einfach auf jemanden ein. Wir sind zu dritt und dem trage ich auch verantwortungsbewußt Rechnung.
 
 
13. Feb

Hallo Genießer770

ich musste lächeln als ich Deine Frage gelesen habe. Denn in ihr liegt auch der Wunsch, herauszufinden, ob man "ok" ist oder nicht. Und sie klingt so, als wäre "bedürftig" weniger "ok" als "amor".

Ich glaube, unsere ursprüngliche Motivation für alles entsteht aus unseren Bedürfnissen. Und ganz grundsätzlich kann ich nicht erkennen, dass eins dieser Bedürfnisse "moralischer" oder "mehr ok" ist als ein anderes. Unterschiedlich stark sind sie - ja. Aber mein Bedürfnis nach Schokolade ist nicht besser oder schlechter als mein Bedürfnis danach, geliebt zu werden. Oder gemocht zu werden. Oder respektiert und geschätzt zu werden. Oder oder oder ..... (ich denke gerade an meine 5000 Bedürfnisse *g* )

Die Antwort auf Deine Frage lautet: Du bist Polyamor weil Du das Bedürfnis danach hast. Wenn Du das Bedürfnis danach nicht hättest, dann wärst Du es auch nicht *g*

So wie es bei jedem von uns ist. Wir haben das Bedürfnis und versuchen, es zu realisieren (wenn wir uns trauen bzw. wenn wir das Bedürfnis als "ok" bewerten und wenn es nicht zu sehr mit anderen Dingen kollidiert).

Du schreibst, dass Dich eine Unzufriedenheit und Getriebenheit dazu gebracht hat, die Liebe einer weiteren Frau zu suchen .... Hey - das ist einfach nur ein Bedürfnis! Das ist absolut legal, ein solches Bedürfnis zu spüren und zu haben und es ist NICHT der Hinweis darauf, dass irgendwas nicht in Ordnung ist oder dass Du in irgendeiner Weise "falsch" bist. Sondern es ist lediglich der Hinweis darauf, dass Du ein ungestilltes Bedürfnis hast. Und das ist abolut nachvollziehbar, Du bist nicht der erste Mensch auf der Welt, der ein lieblose Kindheit hatte und im Erwachsenenalter etwas nachholen will. Also im Erwachsenenalter etwas entdeckt und sich dann zunächst mal davon etwas mehr wünscht weil man es so lange missen musste.

Ja und? Lebs aus! Und wenn Dir nahestehende Personen aus Eigeninteresse ("der gehört mir!") erklären, dass das nicht ok ist, dann ist halt die Frage, ob Du Dich danach richtest oder Dir lieber jemanden suchst, der Dir gegenüber großzügiger ist. Nach meiner Erfahrung führt letzteres auf Dauer eher zu einem glücklichen Leben - aber es ist natürlich Deine Entscheidung.

Grüße und viel Glück ... und .. sei egoistisch (ich musste das auch erst lernen.) Trau Dich.
 
Themenersteller
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13. Feb

Hallo NeoJealousy
Es geht mir hier nicht um eine moralische Bewertung oder ein besser oder schlechter.
Achtung: Bedürftigkeit ist nicht gleich Bedürfnis! Bedürftigkeit entsteht aus einem Mangel an etwas und macht uns unfrei, wir haben keine Wahl!
Ich bin Polyamor weil ich fähig bin mehrere Menschen gleichwertig zu lieben, das hat nichts mit dem Bedürfnis nach Liebe zu tun.
Wenn Du unbewusst getrieben bist von den Einschränkungen und Schatten deiner Vergangenheit, sodaß du nicht wirklich ein freies Leben führst, wenn Du auf der unbestimmten Suche bist nach etwas und du weißt nicht nach was, dann hat das mit einem normalen Bedürfnis nichts mehr zu tun.
Das zu erkennen gab mir die bisher größte Freiheit in meinem Leben! Ich habe verstanden, warum ich bin wie ich bin und kann jetzt Schritt für Schritt meine Bedürftigkeit transformieren und auf das normale Maß der menschlichen Bedürfnisse reduzieren. In dieser Freiheit leuchtet das Glück und die Zufriedenheit.
Ich bin in diesem Handeln zutiefst egoistisch und verantwortungsvoll, aber nicht rücksichtslos.
 
 
13. Feb

Achtung: Bedürftigkeit ist nicht gleich Bedürfnis! Bedürftigkeit entsteht aus einem Mangel an etwas und macht uns unfrei, wir haben keine Wahl!
Was ist das jetzt wieder für ne Begriffsdefinition ...

Natürlich besteht sowohl das Bedürfnis wie die Bedürftigkeit aus einem Mangel an etwas - und bei beidem haben wir die Wahl, wie wir darauf reagieren.

Wenn Du sagst: "Bedürftigkeit" ist stärker - ok - ja, dem würde ich mich anschließen. Bedürftigkeit ist dann halt ein ganz starkes Bedürfnis. Aber das änert ja nichts dran, dass der Wunsch, von mehr als einer Person geliebt zu werden und zu lieben, aus einem Bedürfnis bzw. wenn es ganz stark ist, aus einer Bedürftigkeit kommt.

Ich bin Polyamor weil ich fähig bin mehrere Menschen gleichwertig zu lieben, das hat nichts mit dem Bedürfnis nach Liebe zu tun.
Ha! Sorry - jetzt musste ich laut lachen. Das hat nichts mit Deinem Bedürfnis nach Liebe zu tun?
Wo kommen Deine Motive denn dann her?

*g*
 
 
13. Feb

finde
diese Frage durchaus berechtigt und auch ich habe darüber öfters einmal nachgedacht in einer ähnlichen Situation, den " Ehepartner" allerdings nicht mehr liebend, in einen Menschen verliebt.
Finde generell, das sich in einen Weiteren Menschen zu verlieben nicht die gleiche Stufe, wie Liebe *liebhab* ist, deswegen würde ich nach heutigem Befinden sagen, das es sich in einen Menschen zu verlieben ein leichtes ist, die Kunst besteht darin, die Kraft des verliebt seins und die positiven Gefühle für sich nutzen zu können um Dinge voran zu bringen.

Es ist unmöglich einen Menschen zu finden, der alle Bedürfnisse, die ein anderer Mensch hegt zu umsorgen, also Polyamorie wäre für mich am ehesten die Menschen, die dieses erst gar nicht versuchen, sondern eher jene, die frei lassen und keinen Riegel an die eigene noch an die der Gegenüber liegende Tür nageln ob nun in der Liebe, im verlieben, oder in der Suche nach dem was sich nicht definieren lässt.
 
Themenersteller
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13. Feb

NeoJealousy
Ich möchte mich jetzt hier nicht um die Definition von Bedürfnis und Bedürftigkeit streiten. Für mich ist die Erfüllung eines Bedürfnisses etwas normales, lebenswichtiges, wie das Bedürfnis nach Nahrung, Luft, Wasser, Liebe, Nähe... Bedürftigkeit geht für mich deutlich über diese normalen Bedürfnisse hinaus.
Für mich war diese Bedürftigkeit nach Liebe, die von einem Menschen nicht gestillt werden konnte, durchaus ein Problem!
Ich kann doch Menschen lieben ohne von ihrer liebe abhängig zu sein, ohne das Bedürfnis von ihnen geliebt zu werden, ohne eigene Bedürftigkeit.
 
Themenersteller
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13. Feb

tawamiciya
Ich glaube sogar wirklich Polyamor kann man erst sein, wenn man seine Bedürftigkeiten kennt unter Kontrolle hat.
 
 
13. Feb

ja
In diesen Satz, finde ich mich *blumenwiese*
 
 
13. Feb

polyamor oder polybedürftig?
Die Frage stellt sich mir nicht mehr.
Im Rahmen des eigenen Wachstumsprozesses darf sich jeder mensch seinen Bedürfnissen und seiner Geschichte stellen.
Für mich triggert die Frage nach der „Bedürftigkeit“ mein Thema „richtig sein zu wollen“. Leider gab es viele Menschen in meinem Leben, die wollten, dass ich mich entscheide und die mir weismachen wollten, dass mein Verhalten falsch und/oder egoistisch sei.
Das fing in meinem 17 Lebensjahr an, als ich meine Bisexualität entdeckte und ziemlich schnell entschied, dass ich auf Menschen (allerlei Geschlechts) lieben (zu können und zu wollen) nicht mehr verzichten möchte.
Die Verständnislosigkeit meiner Umwelt setzte sich fort, als ich (frisch verheiratet) gemeinsam mit meiner (ersten) Frau verschiedene Mehrfachbeziehungen (teils gemeinsam oder im Einverständnis) lebte.
Sogar mein Therapeut wollte mir später einreden, dass ich beziehungsunfähig sei und mir immer eine (oder mehrere Möglichkeiten) offen halte, um nicht allein zu sein.
In meiner Verunsicherung besuchte ich sogar die anonymen Sexsüchtigen, um „Hilfe“ zu bekommen.
Erst nachdem ich (für mich) feststellte, dass ich weder sex- noch beziehungssüchtig bin, habe ich meinen Frieden geschlossen.
Gesellschaftliche Normen und Bedürfnisse von anderen (z.B. monogame Beziehung, Verlustängste) haben mir Druck gemacht.
Nicht meine Fähigkeit Menschen allerlei Geschlechtes zu lieben und zu begehren, und erst recht nicht die Offenheit, diese Menschen auch noch zu achten (und „frei“ zu lassen) und mit Ihnen langfristige, verbindliche und tragfähige Beziehungen einzugehen, haben mich zweifeln lassen, sondern die Behauptung der „Bedürftigkeit“ und das erfüllen Wollen der Ansprüche der Anderen.
Ich empfinde keinen Drang polyamor leben zu wollen, weil ich Getriebener meiner Bedürfnisse und Sehnsüchte bin. Im Gegenteil, ich sehe es als Geschenk offen bisexuell und polyamor zu leben und zu lieben. Und meine Sehnsüchte und Bedürfnisse offen zu leben, ohne mich einschränken zu müssen oder irgendwem zu entsprechen, zu gefallen oder mich gesellschaftlichen Normen anzupassen.
Ich finde es auch gut und wichtig, als Beispiel vorzuleben, dass es eine Möglichkeit (von vielen) ist sein (Liebes-) Leben zu gestalten.
Peter
Danke15x
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