Poly- Wieviel Dogma gibt es?

  1. 1
  2. 2
  3. 3
2510937
 
Themenersteller
 Themenersteller
9. Apr

Poly- Wieviel Dogma gibt es?
Seit einiger Zeit bin ich in der Polygrupoe und konnte bemerken, dass kaum eine Gruppe so spannend und erkenntnistreibend diskutiert, wie diese Gruppe. Trotz allem möchte ich diese Gruppe verlassen und der Poly- Welt den Rücken kehren. Denn ich persönlich sehe in der Polywelt einen Knoten, der in sich selber verdreht ist: damit meine ich jenseits der Bildersprache, dass Poly an seinem eigenen, inneren Widerspruch scheitert und dadurch viel Leid in Beziehungen trägt. Der Widerspruch entsteht für mich dadurch, dass "wir" der Lüge ein vehementes "Nein" entgegen schleudern, unseren Liebespartnern alles offen darlegen, gegen One's sind und selbstverständlich alle unsere Partner lieben- und selbst wenn's nur so eine Form von Liebe ist. Damit nähert man sich unweigerlich religiösen Dogmen an, die Liebe mit Sex gleich setzten wollen und müssen. Zur Not tut es dann auch die Eintagesehe im Islam: Schnell mal heiraten, damit man schuldfrei vögeln kann. Poly macht etwas Ähnliches, bedient sich jedoch lediglich einer anderen, intellektuelleren Terminologie. Damit wird Poly für mich zum Dogma, das seine Anhönger beruhigt: wir lieben uns ja alle, was wir tun, ist ideologisch einwandfrei.
Jede Gesellschaft braucht Dogmen, da sie Struktur schaffen- unsere, doch eher freiheitlich gesinnte braucht Poly. Ich möchte einen anderen Weg gehen- möchte aber wie ein kleiner Polyp alle Polys umarmen, weil "da" unendlich viele tolle Menschen unterwegs sind. *bye*, bye. *herz2*
Danke18x
 
 
9. Apr

Hallo Lady,
wirst Du denn noch die Antworten auf Deinen Post verfolgen? Wenn nicht, kann ich mir die Mühe des Schreibens sparen. Ich bin seit Gründung der Gruppe dabei, habe einiges mitgelesen und mir auf meinem Poly-Weg ein paar Gedanken und Entwicklungen durchgemacht. Wenn sie aber keine Chance haben, Dich zu erreichen, lass' ich es.

Herzlich
Tom
 
 
9. Apr

@Lady-Maitea
Lady_Maitea:
und selbstverständlich alle unsere Partner lieben- und selbst wenn's nur so eine Form von Liebe ist. Damit nähert man sich unweigerlich religiösen Dogmen an, die Liebe mit Sex gleich setzten wollen und müssen

Ich gebe dir da zumindest teilweise Recht. Zumindest in der jüngeren Generation treffe ich häufig auf die Meinung, dass polyamor leben auch immer Sex haben bedeutet...
Wenn ich denen erzähle was für mich Polyamorie ist ernte ich überwiegend Kopfschütteln und Unverständnis.

Eigentlich schade, dass auch hier Schubladendenken vorherrscht.
 
 
9. Apr

@Tom
Deine Gedanken dazu würden mich sehr interessieren *g*
 
 
9. Apr

Nur mal die Kurzfassung
Was die TE schreibt, habe ich schon vor 11 Jahren im Wesentlichen ebenso beobachtet, benannt und kritisiert. Geändert hat sich wenig bis nix.
Nur mein Umgang damit. Wenn jemand mit seinem Dogma besser lebt, soll er doch. Wenn er mir's überhelfen will, kann er gern versuchen.
Ich habe (hoffentlich) gelernt, es für mich anders zu leben, und mit dem, was andere Polies denken, muss ich nix anfangen. Gleichschaltung ist vorbei. Auch wenn bestimmte Werte im Kern feststehen, z.B. Ehrlichkeit und vollständige Info, soweit wie gewünscht.

Mittlerweile verstehe ich Polyamorie als Einladung zur Liebe - nicht als Voraussetzung oder Rechtfertigung für sexuelle Handlungen ohne Lebensabschnittsbegleitungs- oder Partnerschaftsabsichten.

Ich bin immer noch Poly. Manchmal etwas frustriert, aber im Tenor gerne.
Und viiieeel ruhiger geworden... - eigentlich angekommen.

T*lol*M

P.S. Die Langfassung mit allen Zwischenstationen finde ich grade gar nicht mehr wichtig. Kostet alle auch viel Zeit. Muss nicht sein.
Danke11x
 
 
9. Apr

Blitzgedanken...
....ohne Anspruch auf Vollständigkeit oder pc

1. Sehe ich bei Dir eine gehörige Portion Lebenserfahrung

2. Schwingt eine Portion Enttäuschung durch - vom Anspruch der Polyamorie enttäuscht oder von Menschen?

3. Ich bin auch immer wieder erstaunt wie schnell (oder soll ich sagen nach Bedarf *nachdenk*) Liebe, Sex und beides zusammen beim Vorhandensein mehrer Partner mit Polyamorie gleichgesetzt wird

Ich wünsche Dir ein dogmenfreies Leben.

Der weibliche Teil von den Randberlinern
 
 
9. Apr

Bussi . . . :-)
Neulich als letzte Zeilen von einer Ex-Freundin, der ich per Zufall wieder über den Weg gelaufen bin . . .

"Wie nett. Wir sind gegenseitig umeinander besorgt.
Bussi"

. . . sie hatte sich von mir 2017 getrennt. Musste ich sie deswegen aus meinem Herzen werfen ? Nein. Die Liebe darf doch bleiben. Wir hatten seitdem kaum Kontakt . . . bis letzte Woche. Und was folgte war eine höchst liebevolle Kommunikation. Unabhängig davon, ob wir jetzt Sex haben oder nicht.

Aber was ist das denn, wenn ich mich um einen anderen Menschen 'sorge' . . . für ihn 'sorge' . . . in liebevoller Hinwendung ? Achtsamkeit ? Da bin, wenn ich gebraucht werde oder auch nur das Gefühl habe, gebraucht zu werden ?

Wie weit ist es von da bis zu . . . 'Resteficken' (habe ich neulich in 'nem anderen Thread im Polyforum gelesen) . . . wobei ja beim 'Resteficken' auch eine Art von Gefühl, um nicht zu sagen Liebe, mit dabei ist*, es sei denn, ich kann wirklich nicht mehr klar sehen und denken (aber dann funktioniert ja auch meist sonst nicht mehr viel) . . .

Wenn ich also sage, dass ich 'meine' Frauen alle auf eine Art liebe (selbst wenn ich nicht mit ihnen zusammen wohne, noch derzeit irgendeine Art von Familienplanung anstrebe) . . . bin ich dann dogmatisch oder kann das nicht einfach auch so . . . sein ?

*wenn ich Poly zum Dogma stilisiere . . .
. . . ein Ast . . . mit vielen Blüten . . . :-)
 
 
9. Apr

Es funktioniert die wirkliche Monogamie ein Leben lang eh nicht, sonst würden zumindest die meisten Menschen so leben....doch die meisten Monos haben Seitensprünge oder leben serielle Monogamie, eine Scheidung nach der anderen.

Wieviele Menschen verlieben sich in der Ehe, und leiden darunter...


Poly zu leben gibt mir die Möglichkeit ehrlicher zu sein zu den Menschen die ich Liebe und zu mir selbst.
 
 
9. Apr

Wenn Dogma, kann es ja wohl kaum das Gefühl betreffen, was alle polyamoren Menschen verbindet: mehrere Menschen zu lieben.
(Wer an dieser Stelle schon mogelt, belügt sich in erster Linie selbst)

Was Dogmen bzgl. der Umsetzung des Gefühls in Beziehung angeht, so gibt es dort vermutlich genau so viele Definitionen, wie für Monos die Frage, wo fremdgehen beginnt und was Ehrlichkeit genau ist.

Ob nun mit Sex, ohne Sex, nur Sex, verbindlich oder unverbindlich, das entscheidet ja jeder für sich selber und hier ist nur ein Treffpunkt zum Austausch....

Von Menschen, deren Definition keine Schnittpunkte mit meiner hat, kann ich mich fernhalten.

Meine eigene Definition schärft sich nach 7 Jahren Polygefühl weiter und ich habe momentan das Gefühl, bald wieder bei Mono angekommen zu sein, habe aber auch das Gefühl, ich werde nie wieder so mono sein, wie je zuvor.
In erster Linie bin ich nämlich gründlich bei mir angekommen und gehe aus dem Gefühl anders mit Liebe und Beziehung um.
Danke11x
 
 
9. Apr

"einen Knoten, der in sich selber verdreht ist", sehe ich hier gelegentlich auch, dabei bin ich ja Frischling hier.
Dogmatik ist Mumpitz. Dogmatik heißt heute festzuschreiben, was ich übermorgen richtig finden muß.
Deinen Vergleichen zu Religionen kann ich so nciht zustimmen, aber das ist in der Sache auch nicht wichtig, denn ich glaube das Verglichene begreife ich durchaus.
Ja, es ist bestimmt oft ein in sich selbst verschlungener Knoten und oft genug eine Rechtfertigung oder eher noch ein spärliches Feigenblättchen, aber der Mißbrauch schändet ja die Idee nicht.
Ich mag hier am meisten den letzten Absatz von themisabeth.
Ihr Gefühl, bald wieder im Mono anzukommen, aber anders, als früher.
Könnte mir vorstellen, daß Du das für Dich ähnlich erlebst.
Bin gespannt, ob es mir auch so gehen wird.
 
 
9. Apr

Und nochmal zur Ergänzung: Mono "nur" als Beziehungsmodell, weil mir Verantwortung für Beziehung klarer und wichtiger geworden ist.
Poly fühlen wird nie weggehen! Das ist so tief verankert.... aber auch daraus kein Dogma machen, sondern frei und leicht sein und bleiben!
 
 
9. Apr

@Randberliner
2. Schwingt eine Portion Enttäuschung durch - vom Anspruch der Polyamorie enttäuscht oder von Menschen?

Enttäuscht sein kann ich letztlich immer nur von meinen Vorstellungen. In meiner Naivität und sehr schöner Anfangserfahrungen hatte ich es mir leichter, unbeschwerter vorgestellt - im erotischen, aber besonders sozialen Miteinander mehrerer Menschen. Damals hatte ich ja 0 Menschenkenntnis, heute ein bisschen mehr - wenigstens im Polykontext.
Die größten Fortschritte sehe ich in meiner Persönlichkeitsentwicklung. Die wiederum war nur möglich, weil es eben nicht immer nur Friede, Freude, Feierkuchen war; bei Letzterem stünde ich heute woanders, als jetzt. Da wo ich jetzt bin, bin ich zufrieden.

Herzlich
Tom
 
 
10. Apr

Einfach Mal locker bleiben.
Hier ist immer alles so tiefschürfend, so aufgeladen, fast esoterisch. kenne auch kein Forum mit längeren Texten.

Wenn man aus der Phase heraus ist, sich jedem erklären zu müssen, auch sich selber, dann wird man dann doch locker, aber nicht oberflächlich und verliert Verlustängste. Nach einiger Zeit kommt irgendwie Ruhe rein und man genießt Intensive Zeit miteinander oder man hat einfach auch mal seine Ruhe und kann alleine sein.

Ich kann mir ein Leben in Ausschließlichkeit nicht mehr vorstellen.

*musketiere*
 
 
10. Apr

Ich liebe ganz viele Menschen ohne sexuelle Handlungen (und auch ohne, dass es mir mit lieber wäre). *g*

Solche Probleme entstehen immer in einem selbst, aufgrund von Erwartungshaltungen an die Anderen. "Poly" als Kult zum Rumvögeln gibt es schon seit Hippie-Gurus in den 70ern sich ihre willigen Harems mit ihrer Ideologie gehalten haben. Das bedeutet nicht, das das von der Polyamorie ansich unterstützt wird. Nur das toxische Menschen überall immer etwas finden werden um toxisch zu sein.
 
 
10. Apr

Mir kommt's auch so vor, als werde darum gerungen, was "richtige" Polyamorie sei, wie sie "richtig" und wie sie "falsch" gelebt und empfunden wird, was "zwingend" dazugehört, und was auf gar keinen Fall.

Dahinter steckt meinem Gefühl nach der Wunsch, einer sozialen Gruppe "wir Polyamoren" anzugehören. Gruppenzugehörigkeit stellt sich ein durch Abgrenzung von verwandten Konzepten. Und so entwickeln identitätsstiftende Gruppen zur Schärfung ihres Profils strenge Innenregeln, Zugehörigkeitsdogmen.

Wem's wurscht ist, dazuzugehören, der verzweifelt an der Dogmensucht. Wie ich... und doch beteilige ich mich dran und will den schönen Gedanken umfassender Liebe für Viele nicht verunstaltet sehen durch diejenigen, die einmal gegebene Treueversprechen glauben brechen zu dürfen mit dem Hinweis: Tja, bin halt polyamor - was soll ich machen *nixweiss* ?

Ein Weg wäre, dass jeder seine Polyamorie selbst beschreibt und ausfüllt, ungeachtet irgendwelcher von anderen vorgegebenen Definitionen. Das nimmt dem Begriff jede Schärfe und identitätsstiftende Kraft, aber gibt dafür ein Sammelwort für die Freiheit, Liebe selbstbestimmt auszugestalten.

Wenn schon Dogma, wäre mein Lieblingsdogma vielleicht: Polyamorie darf jeder für sich selbst definieren.
  1. 1
  2. 2
  3. 3
  • Stiefel Alessandria Größe:45
    Stiefel Alessandria Größe:45
    Für SIE und IHN! Schwarze Overknee-Stiefel. Plateau 5 cm, Absatz 14 cm.
    Preis: 239,00 EUR
  • Pantolette Monza Größe:37
    Pantolette Monza Größe:37
    Schwarze Pantolette mit breitem Riemen über dem Spann und durchgehendem Plateau.
    Preis: 109,00 EUR
  • Stiefel Alessandria Größe:44
    Stiefel Alessandria Größe:44
    Für SIE und IHN! Schwarze Overknee-Stiefel. Plateau 5 cm, Absatz 14 cm.
    Preis: 239,00 EUR

Interessante Gruppen zum Thema